{"id":19,"date":"2015-07-03T16:55:20","date_gmt":"2015-07-03T14:55:20","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.valentinlippmann.de\/?p=19"},"modified":"2015-07-03T16:55:20","modified_gmt":"2015-07-03T14:55:20","slug":"zu-einer-aktuellen-umfrage-der-dnn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.valentinlippmann.de\/?p=19","title":{"rendered":"Zu einer Aktuellen Umfrage der DNN"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Vorbemerkung<\/span><\/p>\n<p>Ich kommentiere sonst eher selten \u00f6ffentlich die Validit\u00e4t ver\u00f6ffentlichter Umfrageergebnisse, da ich generell immer etwas vorsichtiger bei der Bewertung von Umfragen bin (da ich die \u00fcbergeordnete Disziplin mal im Nebenfach studiert habe) und auch nicht zu jenen Teilen der Politik geh\u00f6re, die bei jeder nicht in den Kram passenden Umfrage deren Repr\u00e4sentativit\u00e4t in Frage stellt.<\/p>\n<p>Zur aktuellen DNN-Umfrage, welche heute ver\u00f6ffentlicht wurde, muss aber was gesagt werden. Wer eine weitestgehend unrepr\u00e4sentative Umfrage, wie die aktuelle, drei Tage vor der Wahl als Zeitung ver\u00f6ffentlicht, dem muss man fast den Willen zur politischen Einflussnahme\u00a0 unterstellen lassen. Es gibt Umfragen, deren Ergebnis ist so invalide, dass man sie nicht ver\u00f6ffentlichen sollte. Die aktuelle Umfrage der DNN geh\u00f6rt dazu. Auch wenn man sicherlich viel Geld f\u00fcr diese Umfrage bezahlt hat, w\u00e4re es redlicher gewesen die Umfrage in der Schublade zu lassen.<\/p>\n<p>Ich finde es gut, dass Herr Prof. Dr. Donsbach sehr umfassend die Ergebnisse erl\u00e4utern und auch die Probleme der Umfrage. Dass Prof. Dr. Donsbach dies aber fast auf einer halben Seite die Umfrage erl\u00e4utern muss und betont, dass diese keine Prognose sondern eine Stimmung sei, und es noch knapp werden k\u00f6nnte, weil 16% der Wahlwilligen noch unentschlossen seien, spricht f\u00fcr sich, wohl aber nicht unbedingt f\u00fcr die Qualit\u00e4t der Umfrage (Deren Validit\u00e4t Donsbach ja selbst indirekt anzweifelt, da nach dieser Umfrage 75% der Befragten im ersten Wahlgang w\u00e4hlen waren, was aber nicht mit der realen Wahlbeteiligung \u00fcbereinstimmt).<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Zur Repr\u00e4sentativit\u00e4t<\/span><\/p>\n<p>Die Umfrage t\u00e4uscht eine h\u00f6here Repr\u00e4sentativit\u00e4t vor, als sie tats\u00e4chlich hat. Sie versucht eine Wahlabsicht zu messen. Es sind nicht die 450 Personen entscheidend, sondern nur die 333, die zumindest abgegeben haben, zu Wahl zu gehen, weil nur diese Auswirkungen auf die Grundgesamtheit Wahlergebnis haben (wie auch gut in der Grafik ausgef\u00fchrt)<\/p>\n<p>Statistiker und Demoskopen arbeiten bei der Repr\u00e4sentativit\u00e4t von Umfragen mit Konfidenzintervallen. Im Gegensatz zur viel verbreiteten Meinung spielt die Zahl der Befragten im Verh\u00e4ltnis zur Gesamtzahl der Grundgesamtheit nur eine untergeordnete Rolle. Man kann bekannterma\u00dfen mit den bekannten 1001 Befragten eine Bundestagswahlumfrage genauso valide erstellen, wie eine Umfrage zur Dresdner OB-Wahl, sofern es eine repr\u00e4sentative Auswahl der Befragten (idealerweise Zufallsauswahl) gibt.<\/p>\n<p>Bei der Arbeit mit Konfidenzintervallen wird damit operiert, dass eine Befragung mit einer gewissen Spanne in den jeweiligen Einzelergebnissen in X% der F\u00e4lle tats\u00e4chlich in der Realit\u00e4t zutrifft. Klassisch arbeitet man mit 95%-Konfidenzintervallen. Das bedeutet, dass 95% der Umfragen zu einem Ergebnis kommen, bei der der gemessene Wert innerhalb einer gewissen Spanne um den Ergebniswert der Umfrage herum mit der Realit\u00e4t \u00fcbereinstimmen. Anhand dieser 95% Annahme wird dann eine \u201eSchwankungsbreite\u201c des Einzelwertes in der Umfrage ermittelt. Die Formel dazu kann man einfach im Internet recherchieren.<\/p>\n<p>Nun nehmen wir einmal an, dass bei der Umfrage mit dem geschilderten 95%-Annahme operiert wurde (l\u00e4sst sich der Darstellung nicht entnehmen). Es ergibt sich dann mathematisch beim Wert von Herrn Hilbert (47%) eine Schwankungsbreite von +\/- 5,4%. Beim Eva-Maria Stange (36%) eine von 5,2%. <b>Damit sto\u00dfen der untere Bereich von Dirk Hilbert und der obere Bereich von Eva-Maria Stange fast an einander. Rechnerisch w\u00e4re nach dieser Umfrage ein Ergebnis von Eva-Maria Stange von 41,2% genauso wahrscheinlich wie ein Hilbert-Ergebnis von 41,6% Das ist schlichte Mathematik. Die Aussagekraft der Umfrage, was die Abst\u00e4nde zwischen Stange und Hilbert angeht, tendiert damit faktisch gegen Null.<\/b> Ein paar mehr wahlwillige Befragte h\u00e4tten der Umfrage mehr als gut getan, weil sie diese faktische \u00dcberschneidung verhindert h\u00e4tte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Lara Liqueur<\/span><\/p>\n<p>Steht zur Wahl, wurde aber nicht abgefragt \u2013 ist mir ein R\u00e4tsel warum nicht, gerade weil diese Stimmen entscheidend sind, wenn es knapp wird.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Zeitraum und Befragungsmethode<\/span><\/p>\n<p>Die Umfrage wurde \u00fcber zwei Wochen erhoben. Zwei Wochen sind ein sehr langer Zeitraum, welcher meines Erachtens f\u00fcr die Abfrage einer unmittelbar bevorstehenden Wahlentscheidung hier viel zu lang ist, zumal die Endeffekte des Wahlkampfes da noch nicht deutlich sp\u00fcrbar waren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zu diesen immanenten Problemen kommen dann noch die von Prof. Dr. Donsbach beschriebenen latenten Probleme der unterschiedlichen Wahlbeteiligungsneigung und des sozial erw\u00fcnschten Verhaltens dazu.<\/p>\n<p>Bleibt als Fazit: H\u00e4tte die DNN geschwiegen, w\u00e4re man Philosoph geblieben. So bleibt der fahle Beigeschmack, dass mit der Umfrage bewusst oder unbewusst Ergebnisse pr\u00e4determiniert werden sollten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vorbemerkung Ich kommentiere sonst eher selten \u00f6ffentlich die Validit\u00e4t ver\u00f6ffentlichter Umfrageergebnisse, da ich generell immer etwas vorsichtiger bei der Bewertung von Umfragen bin (da ich die \u00fcbergeordnete Disziplin mal im Nebenfach studiert habe) und auch nicht zu jenen Teilen der Politik geh\u00f6re, die bei jeder nicht in den Kram passenden Umfrage deren Repr\u00e4sentativit\u00e4t in Frage &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.valentinlippmann.de\/?p=19\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Zu einer Aktuellen Umfrage der DNN<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-19","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.valentinlippmann.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/19"}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.valentinlippmann.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.valentinlippmann.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.valentinlippmann.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.valentinlippmann.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=19"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/blog.valentinlippmann.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/19\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":21,"href":"https:\/\/blog.valentinlippmann.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/19\/revisions\/21"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.valentinlippmann.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=19"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.valentinlippmann.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=19"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.valentinlippmann.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=19"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}